国籍:德国
风格:Gothica
Aller Anfang ist schwer, sollte man meinen, wenn es gilt etwas völlig Neues und vor allem Anderes aus dem Boden zu stampfen. Viele sind auf der Suche nach der Lücke, welche Individualität und letztlich auch Erfolg verspricht, aber nur die Wenigsten lassen ihren Blick genau genug schweifen, um sie zu erkennen. Anscheinend braucht es nur vier Personen, um eine derartige Kluft entstehen zu lassen. SHIZUKO OVERDRIVE werden zwar als Newcomer gehandelt, doch sind sie reif genug, dass manch einer noch etwas dazulernen könnte. Wer schon jetzt auf die Eigenart der Formation neugierig geworden ist, dem empfehle ich wärmstens deren Debütalbum “Shizuko”. Verschrien und vermutlich selbst von der Band gehandelt als Cyberpunk, erkennt man schon nach wenigen Liedern das von mir bereits beschriebene Anderssein. Kraftvolle und dunkle Gitarren bestimmen den Vordergrund des Sounds und verbreiten in den 15 Songs des Erstlingswerk eine fühlbare Schwere. Gekrönt wird diese Demut mit der prägnanten Stimme von Frontdame Eve Cooper und deren harmonischer Gegenpart Horatio Luvcraft. Vielseitige Lieder bedürfen auch einer universellen Stimme, um Schritt halten zu können. Mit spielerischer Leichtigkeit scheint sich ihre Stimmlage dem Inhalt und zugleich der nötigen Ausdruckstärke anzupassen. Zum einen trotzt sie vor Stärke und Eigenwilligkeit, wie z.B. in “No Life” oder “The Great Denial” und wirkt stellenweise fast “rotzig”, was dem Punk seine besondere Note verleiht. Spiegelt es doch recht gelungen dieses 80er Jahre Oldschool Flair wider. Um das Ganze noch auf die Spitze zu treiben empfehle ich das eigens gecoverte “Self Control” von Rockröhre Laura Branigans. Wieviel mehr kann man dieser Zeit noch Tribut zollen? Zum anderen begegnet uns ein sehr sinnlicher und harmonischer Gesang, welcher dieses Album aus jener Schwere entgleisen lässt und so anmutig gestaltet, wie man es möglicherweise nicht erwartet hätte.
Lieder wie “Grinding Gears” oder “Checkmate” werden gewiss zahlreiche Herzen und Hörer zum schmelzen bringen. Doch damit nicht genug, als Verabschiedung bekommt der aufmerksame Hörer den Clubhit “Messiah” auch noch als Remix hoch zwei um’s Gehör geplautzt. Und was soll man sagen, selbst das elektronische Gewand steht diesem Song ausgezeichnet und kann mit Sicherheit in jedem besseren Musiklokal dargeboten werden. Und weil Elektronik und Multimedia in unserer heutigen Zeit eine - nicht weg zu denkende - Notwendigkeit ist, gibt es für den Computerjunky noch einen verspielten multimedialen Beitrag, der sich sehen lassen kann, oben drauf. Neben Photos und Lyrics kann noch ein qualitativ sehr gelungenes Video bestaunt werden, welches sich auch neben z.B. OOMPH auf dem Viva-Fernsehkanal gut machen würde bzw. sehr leicht mithalten könnte. Wie gesagt, wir reden hier noch immer von einer Newcomerband. Schlussendlich bleibt zu sagen, dass wir es hier mit einer sehr vielversprechenden und eben auch eigenartigen Combo und letztendlich auch mit einem daraus resultierenden eigenwilligen Schaffenswerk zu tun haben. Einziger Makel in meinen Augen, wird die Spezifität der Formation sein, da dieses Album doch eher für Postpunk- und Deathrockfetischisten geeignet ist und Freizeitgrufties bzw. Szenemitglieder der anderen Art höchstwahrscheinlich mit Unverständnis agieren werden. Wer dennoch genügend Mut zur Lücke beweist darf beherzt zugreifen und etwas Besonderes sein.
(Autor: Stephan)
Bewertung "Shizuko": 8 von 10 Sternen
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